Feierlichkeiten zum Straßenbahnjubiläum abgesagt

Vor 150 Jahren, am 19. Mai 1872, fuhr die erste Straßenbahn, gezogen von einem Pferd, durch Frankfurt am Main. Das Jubiläum sollte eigentlich mit einer großen Fahrzeugparade in der Brauchbachstraße am 21. Mai 2022 gefeiert werden. Auch die neue Straßenbahngeneration sollte an diesem Tag der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Daraus wird nun nichts, wie die Frankfurter Neue Presse (FNP) am 9. Mai 2022 online und in der Print-Ausgabe vom 10. Mai 2022 berichtet.

Als Grund nennt Bernd Conrads, Pressesprecher der VGF, gegenüber der FNP, den russischen Krieg in der Ukraine, weshalb man eine Festivität zum Jubiläum sehr reduziert halte und weil eine allfällige mögliche Eskalation den Krieg kurzfristig verschlimmern könne. Angesprochen darauf, dass Zehntausende vier Wochen lang die Dippemess‘ am Ratsweg feierten, entgegnete Conrads, dass die Dippemess‘ kein Gradmesser sei.

Schaut man die Frankfurts Partnerstadt Leipzig ist dort von Absage keine Rede. Dort feiert man in diesem Jahr – ebenfalls am 21. Mai 2022 – das 150-jährige Jubiläum der dortigen Straßenbahn. Zudem kämpfen dort Straßenbahnfahrer aus ganz Europa bei der TRAM-EM um den Titel. Wird also hier in Frankfurt, der russische Krieg in der Ukraine nur vorgeschoben und hat die Absage eigentlich einen ganz anderen Grund?

Auf Rückfrage der FNP räumt Conrads ein, dass es rund um den 21. Mai zusätzlich Termin- und Abstimmungsschwierigkeiten aufgetaucht seien. Weitere Details nannte er nicht. Auch Wolfgang Siefert, Referent von Mobilitätsdezernent Stefan Majer, äußerte sich dazu nicht.

Hinter vorgehaltener Hand ist jedoch zu hören, dass es bei den „Abstimmungsschwierigkeiten“ um die Rolle des Oberbürgermeisters Peter Feldmann gehen soll. Als Aufsichtsratsvorsitzender kontrolliert er die VGF und mischt sich auch ins aktive Geschäft ein. Er tritt häufig in Erscheinung wie etwa auf Werbeplakaten für das Seniorenticket. Nahe liegend wäre also auch ein Auftritt des Oberbürgermeisters beim Straßenbahnjubiläum gewesen. Der Magistrat hat aber das Stadtoberhaupt aktuell zu äußersten Zurückhaltung aufgefordert, nachdem gegen Feldmann in der AWO-Affäre Klage erhoben wurde, aber als Oberbürgermeister nicht zurücktritt. Für das Tagesgeschäft im Nahverkehr ist ohnehin der Verkehrsdezernent, also Stefan Majer, zuständig.

Beim Verein Historische Straßenbahn der Stadt Frankfurt am Main e. V. (HSF), der das Verkehrsmuseum der VGF in Schwanheim betreibt, sei man laut dem Bericht in der FNP zwar betrübt, habe aber volles Verständnis für die Verschiebung wegen der Situation in der Ukraine, wie der Vereinsvorsitzende Frank Nagel erklärt. Der Verein werde auch die Nachholfeier vollumfänglich unterstützen. Enttäuschend für einige Mitglieder dürfte es jedenfalls sein, dass man von der Absage aus Presse erfährt statt vorab darüber informiert zu werden.

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