Express-Bus, Metrobus, Nachtbus: Stehen Veränderungen im Busverkehr in Frankfurt an?

In den vergangenen Tagen hat die Nahverkehrsgesellschaft traffiQ zwei interessante Vorabinformationen zur Ausschreibung des Bus-Linienbündels B und zur vorzeitigen Direktvergabe des Bus-Linienbündels D veröffentlicht. Diese beiden Dokumente lassen aufhorchen. Denn aus ihnen lassen sich Veränderungen ableiten, die schon zum kommenden Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020 eintreten könnten.

Nicht überraschend kommt die Vorabinformation zur Ausschreibung des Linienbündels B, also den Bus-Linien im Frankfurter Westen. Hier endet der Verkehrsvertrag mit DB Regio Bus Mitte zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022. Die Vorabinformation zur vorzeitigen erneuten Direktvergabe des Linienbündel D, also den Bus-Linien im Frankfurter Osten, an die städtische In-der-City-Bus GmbH (ICB) überrascht hingegen schon. Denn hier läuft der aktuelle Verkehrsvertrag eigentlich noch bis Ende Juli 2025.

Über den Hintergrund der vorzeitigen Direktvergabe des Linienbündels D lässt sich nur spekulieren. Es könnte aber damit zu tun haben, dass die Stadt Frankfurt am Main plant, möglichst schnell den Busbetrieb auf einen höheren Anteil an Zero-Emission Fahrzeuge umzustellen. In der Vorabinformation ist zum Betriebsstart am 12. Dezember 2021 ein Anteil von mindestens 22,5 Prozent festgelegt, der sich ab 2026 auf 32,5 Prozent erhöht. Bis 2030 soll die vollständige Umstellung der Flotte erfolgt sein. Dies ist mit großer Wahrscheinlichkeit im aktuell laufenden Verkehrsvertrag nicht vereinbart. Dieser gilt bereits seit August 2015 und zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses war von den aktuellen Klimadebatten und Dieselfahrverboten in der Innenstadt noch gar keine Rede.

Hinweise auf Veränderungen im Dezember 2020

Aber in den aktuellen Vorabinformationen finden sich Hinweise darauf, dass die Nahverkehrsgesellschaft traffiQ schon zum kommenden Fahrplanwechsel Änderungen im Busnetz vornehmen könnte. Das deutete sich auch schon bei der Ausschreibung des Linienbündels A, den Bus-Linien im Frankfurter Nordwesten, an. Bei der Bekanntgabe des Ausschreibungsgewinners im Februar hatte man es jedoch nicht veröffentlicht.

Scheinbar möchte die Nahverkehrsgesellschaft traffiQ neue Qualitätsstandards etablieren, die im derzeitigen Nahverkehrsplan von 2005 zwar nicht festgelegt sind, aber einen Aufschluss darüber geben, was in Fortschreibung des Nahverkehrsplans drin stehen könnte. Veröffentlicht wurde dieser bisher nicht. Er soll sich aber in Abstimmung befinden und den Interessensverbänden zur Stellungnahme vorliegen. Bisher hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling auch noch keinen Termin genannt, wann die Veröffentlichung sein wird. Wohin also genau die Reise wirklich geht, ist derzeit ziemlich spekulativ. Aber in den letzten Veröffentlichungen und Bekanntgaben tauchten immer wieder die Einführung von Express-Bussen und Metrobussen auf.

So auch in den gerade veröffentlichten Vorabinformationen zu den Linienbündeln B und D. In diesen ist auch zu lesen, dass es zu größeren Veränderungen im Nachtbusnetz zu kommen wird. Allerdings sind nicht alle Änderungen aus allen Linienbündeln bekannt, weshalb an dieser Stelle alles reine Spekulation ist.

Express-Busse zum Flughafen

Der RMV hat im Juni 2014 damit angefangen einen Schnellbus-Ring rund um Frankfurt aufzubauen. Mit diesen soll das auf Frankfurt sternförmig ausgerichtete Schienennetz entlastet werden. Zunächst wurde ein zweijähriger Probebetrieb zwischen Königstein, Oberursel, Bad Homburg und Karben eingerichtet. Ab Dezember 2016 führte man weitere Linien ein. Inzwischen gibt es 19 dieser Express-Bus-Linien. 14 davon führen um Frankfurt herum und strahlen bis weit in die Region hinaus. Fünf weitere Linien tragen das Konzept in der Region. Dabei entstanden nicht nur neue Linien, sondern es wurden vorhandene Linien entsprechend aufgewertet.

Die Nahverkehrsgesellschaft traffiQ scheint zu versuchen, das Konzept nun in die Stadt Frankfurt zu übertragen und schnelle Verbindungen auch innerhalb des Stadtgebiets herzustellen. Bekannt ist aus der Direktvergabe des Linienbündels C an die ICB, dass die heutige Bus-Linie 61 zwischen Südbahnhof und Flughafen durch zwei Express-Bus-Linien verstärkt werden soll. Der X61 soll durch auslassen des Stadtteils Niederrad sowie dem Entfall der Stichfahrt zum Terminal 2 des Flughafens die Fahrzeit zwischen Südbahnhof und dem Terminal 1 des Flughafens um bis zu 15 Minuten verkürzen. Als weitere Linie ist der X77 angedacht, der den Südbahnhof mit dem neuen Terminal 3 des Flugafens und der Cargo City Süd verbindet. Bis zum S-Bahnhof Gateway Gardens fahren diese Linien auf dem selben Linienweg. Halten sollen die Bus-Linien an Haltestellen mit hohem Fahrgast- und Umsteigeraufkommen. Hierzu zählen Haltestellen wie beispielsweise „Stresemannallee/Mörfelder Landstraße“ (Linie 17 und 18) und „Stadionbad“ (Linie 21) sowie der Südbahnhof und der neue S-Bahnhof „Gateway Gardens“.

Eine dritte Express-Bus-Linie findet sich in der Vorabinformation zum Linienbündel B. Der X58 soll den Höchster Bahnhof mit dem Terminal 1 des Flughafens im 30-Minuten-Takt verbinden. Welchen Unterschied diese Linie zu bestehenden Bus-Linie 58 hat, ist leider nicht näher beschrieben. Spekulieren kann man hier, dass Haltestellen am Industriepark Höchst ausgelassen werden könnten.

Metrobus: Mindestens 10-Minuten-Takt und 24/7-Betrieb

In den Vorabinformationen taucht auch der Metrobus auf. Hier scheint das Qualitätsmerkmal zu sein, dass diese Linien, denen ein „M“ in der Liniennummer vorangestellt werden soll, montags bis samstags in den Hauptverkehrszeiten sowie in der Nebenverkehrszeit mindestens im 10-Minuten-Takt verkehren. Weitere Merkmale sind ein 15-Minuten-Takt täglich bis Mitternacht sowie der 24-Stunden-Betrieb an allen Tagen der Woche. Der letzte Punkt deutet schon mal an, dass man auch an einer Reformierung des Nachtbusnetzes arbeitet (siehe unten).

Bisher tauchten Metrobus-Linien nur in der Ausschreibung zum Linienbündel A auf, ohne genauer erklärt zu werden. Dort waren die Linie 60 als M60 und die heutigen Linien 72 und 73 als M72, die sich am Industriehof in zwei Äste nach Rödelheim und zum Westbahnhof aufteilt, angeben. Bei der Veröffentlichung des Ausschreibungsgewinners erwähnte man die Metrobus-Linien jedoch nicht, sondern sprach von den bisherigen Liniennummern. Nun tauchen aber in den Vorabinformationen zu den Linienbündeln B und D neue Metrobus-Linien auf.

Im Linienbündel B soll die M55 auf dem heutigen Linienweg der Linie 55 zwischen Rödelheim und Höchst fahren und zwischen Höchst und Sindlingen den Streckenabschnitt über Zeilsheim von der Linie 54 übernehmen. Während die Linie 54 den direkten Weg zwischen Höchst und Sindlingen von der Linie 55 übernimmt. Im Linienbündel D wird aus der Linie 36 die M36 und aus der Linie 43 die M43. Hier scheint sich an den Linienwegen nicht viel zu ändern. In wie weit das Qualitätskriterium „Metrobus“ bei der M36 erfüllt wird, darüber lässt sich spekulieren. Im aktuellen Fahrplan erfüllt die Linie 36, insbesondere im Streckenabschnitt zwischen Eschenheimer Tor und Westbahnhof, den angestrebten Standard jedenfalls nicht.

Große Veränderungen im Nachtbus-Angebot

Und auch beim Nachtbusnetz kann ganz ordentlich spektuliert werden. Aus den vorliegenden Informationen lässt sich rauslesen, dass große Veränderungen schon zum kommenden Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020 anstehen könnten. Es sieht aus, als gäbe eine Mischung aus reinen Nachtbus-Linien, den Metrobus-Linien und den Linien, die seit Einführung des Wochend-Nachtverkehrs bei den U-Bahnen und Straßenbahnen am Wochenende und vor Feiertagen im 24-Stunden-Betrieb gefahren werden.

Ein Indiz dafür sind die aktuellen Vorabinformationen für die Linienbündel B und D. Hier wird in den Dokumenten von einer Neuordnung des Nachtbusnetzes geschrieben. So entfallen aus den beiden Linienbündeln die heutigen Nachtbus-Linien n1, n5, n62, n63 und n8. Gleichzeitig sollen neue Nachtbus-Linien wie die N4 zwischen Bockenheimer Warte und Seckbacher Landstraße sowie die N11 zwischen Zuckschwerdtstraße und Friedhof Fechenheim eingeführt werden. Genauere Angaben zu den Linienwegen sind darin nicht enthalten. Allerdings lässt sich anhand der Liniennummern darüber spekulieren, dass sich diese beiden Nachtbus-Linien an den Linienwegen der U-Bahn-Linie U4 und der Straßenbahn-Linie 11 orientieren.

Schaut man sich die Linienwege der bisherigen Nachtbus-Linien mit den neuen Nachtbus-Linien und den Metrobus-Linien an, kann man sich daraus eine der größten Veränderungen im Nachtbusverkehr zusammen reimen. Unklar ist aber, was aus den Nachtbus-Linien in den anderen Linienbündeln wird. Denn hierzu gibt es keine gesicherten Informationen. Aber es spricht einiges dafür, dass es auch hier zu Veränderungen kommen wird. Zum einen würde sich der Linienweg der M36 mit dem heutigen n7 von der Konstablerwache bis zur Sachsenhäuser Warte komplett überschneiden. Zum anderen gäbe es doppelte Liniennummern wie zwischen dem heutigen n4 und der neuen N4.

Es ist also davon auszugehen, dass Frankfurt demnächst eine der größten Veränderungen im Nachtbusverkehr ins Haus steht. Zwischen den Zeilen hat dies Verkehrsdezernent Klaus Oesterling in der Presse schon mehrmals angedeutet.

Gewissheit in ein paar Wochen

Es wird also spannend, was der Fahrplanwechsel im Dezember alles bringen wird. Bisher ist alles rein spekulativ auf der Basis der Vorabinformationen. Welche Veränderungen es wirklich zum Fahrplanwechsel geben wird, erfährt man erst in einigen Wochen, wenn die Veränderungen für den Jahresfahrplan 2021 vom Magistrat der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

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