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T-Wagen geht in den Fahrgastbetrieb

Neue Straßenbahnen vorgestellt. Erster Einsatz im Fahrgastbetrieb ab Montag auf der Linie 17.

Die Frankfurter Straßenbahn bekommt ein neues Aussehen: Die ersten beiden von 58 neuen Straßenbahnen der Baureihe „T“ wurden am Freitag der Presse vorgestellt. Ab Montag geht das erste Fahrzeug in den Fahrgastbetrieb.

Die VGF springt mit Auslieferung der 2017 ausgeschriebenen „T“-Wagen in neue Zeit. Das äußere Erscheinungbild wirkt ungewohnt, waren die bisherigen Modelle von Niederflur-Straßenbahnen fast überall in Deutschland vom Dreiklang „rechteckig, praktisch, gut“ geprägt. Das neue Design soll die Modernität des Systems Straßenbahn ebenso zum Ausdruck bringen wie den internationalen Charakter der Stadt Frankfurt. Es wurde vom franzöischen Hersteller Alstom, der den Auftrag für den „T“-Wagen erhielt, speziell für Frankfurt entwickelt.

Vorstellung des T-Wagens im Betriebshof Gutleut am 9. Dezember 2022. Im Vordergrund steht der Wagen 302, der die markante Unternehmensfarbe subaruvistablue trägt. Im Hintergrund steht der mit Vollwerbung für das 175 jährige Jubiläum der Paulskirche beklebte Wagen 305. Bild: © Benjamin Huber

30- und 40-Meter-Version

Die VGF hatte vor fünf Jahren die Beschaffung von zunächst 38 Niederflurwagen ausgeschrieben und den Auftrag im Lauf der Jahre schrittweise erweitert, um möglichen künftigen Anforderungen wie Angebotserweiterungen in Form neuer Linien oder dichteren Takten gerecht zu werden.

Insgesamt wird Alstom jetzt 58 „T“-Wagen bis 2025 liefern. Davon werden 24 Wagen in der 31,5 Meter langen Standardvariante (T30) mit 191 Steh- und Sitzplätzen sowie weitere 34 Wagen in 40 Meter Länge (T40) mit 248 Steh- und Sitzplätzen geliefert. Der „T30“-Wagen besteht aus drei Modulen mit vier Drehgestellen, wovon zwei angetrieben sind. Der „T40“-Wagen besteht aus vier Modulen mit fünf Drehgestellen, wovon drei angetrieben sind. In beiden Versionen sorgen „Permanent erregte Synchron-Motoren“, die sich durch eine hohe Energieeffizienz und kleine Bauart auszeichnen, für den Antrieb. Sie sind außen an den Achsen der Triebdrehgestelle montiert, was wiederum die Instandhaltung vereinfacht.

Neues und Bekanntes für Fahrgäste

Technisch basieren die neuen Fahrzeuge auf der Alstom-Serie „Citadis SX05“. Sie erfüllen die neusten Standards und bieten im Frankfurter Straßenbahnbetrieb darüber hinaus neue Elemente. Während seit dem „S“-Wagen Video-Ausrüstung und Klimatisierung im Innenraum zum Standard gehören, präsentieren sich die neuen Fahrzeuge zu hundert Prozent niederflurig, was durch eine Spezialkonstruktion der Achsen möglich wird. Sowohl der Zu- und Ausstieg als auch der Innenraum sind damit barrierefrei.

Mit 2,40 Meter hat der „T“-Wagen für die Frankfurter Straßenbahn eine normale Breite und auch der Innenraum macht einen geräumigen und übersichtlichen Eindruck. Die Faltenbalge zwischen den Fahrzeugteilen haben eine große lichte Weite und ermöglichen einen breiten Durchgang. Den Fahrgästen bieten nicht nur die großen Panoramafenster eine gute Ausicht, sondern sorgen gemeinsam mit einer LED-Beleuchtung im inneren des Fahrzeugs für angenehme Lichtverhältnisse. Die VGF nutzt erstmals eine Ambiente-Beleuchtung, wobei die ausgeprägte Farbenfröhlichkeit nicht übertrieben wurde. Abhängig von der Außentemperatur wird der Lichtton im Fahrgastinnenraum geregelt, was zum Wohlbefinden der Fahrgäste beitragen soll.

Neu ist auch die heute übliche Lichtleiste an Türen, die den Zustand der Türfreigabe signalisiert. Bild: © Benjamin Huber

Ausreichend Raum gewähren großzügige Mehrzweckflächen Rollstuhlfahrern, Kindernwagen und Fahrrädern. Eine vierte (T30) bzw. fünfte (T40) Tür pro Seite dienen dem schnelleren Fahrgastwechsel. Sowohl beim „T30“ als auch beim „T40“ sind an drei Türen pro Seite manuell ausklappbare Rampen angebracht. Die VGF hat wie schon bei „S“-Wagen auf anfällige elektrisch ausfahrbare Rampen verzichtet.

Mit zweiteiligen Montieren verfügen die neuen Straßenbahnen des weiteren über ein neues Fahrgastinformationssystem, wie es schon bei den neuen Busmodellen zum Einsatz kommt. Im Inneren sind außerdem 16 (T30) bzw. 18 (T40) USB-Ladestationen angebachtet. Darüber hinaus bieten die neuen Bahnen standardmäßig eine Reihe von Optionen, wie etwa die Vorbereitung für die Einrichtung von W-LAN oder die Nachrüstbarkeit für batterieelektrischen Betrieb, sollte beim weiteren Ausbau des Straßenbahnnetzes auch fahrdrahtlose Abschnitte zu befahren sein.

Neuer Arbeitsplatz für 885 Fahrerinnen und Fahrer

Und auch das Fahrpersonal der VGF darf sich auf einen neues Fahrzeug mit neuem Arbeitsplatz freuen. In der Kabine ist die Sitzposition zentral angeordnet und die große Frontscheibe bietet eine gute Rundumsicht. Bei den Sitzen hat man auf das bewährte Modell zurückgegriffen, was auch schon in anderen Fahrzeugen genutzt wird. Neu hingegen sind Kameras, die die Außenspiegel ersetzen. Von der Kabine aus lässt sich das Fahrzeug mit ihrer Hilfe z. B. beim Fahrgastwechsel an Haltestellen auf ganzer Länge auf zwei Monitoren überblicken.

Vor sich haben die Fahrerinnen und Fahrer ein Display für Statusanzeigen und Fehlermeldungen. Sie können Befehle per Touchscreen eingebeben. Auf einen vollständigen Übergang zum Touchscreen hat man aber verzichtet. Basisfunktionen wie Türöffnung und -freigabe erfolgen nach wie vor über Taster. Hier sollte der Wechsel zur neuen Bedienung nicht krass ausfallen, da in der Flotte ältere Fahrzeuge verbleiden, auf die Fahrerinnen und Fahrer während ihrer Schichten wechseln werden.

Neu sind auch eine platzsparende Schiebetür zwischen der Fahrerkabine und Fahrgastraum und die Sitzanordnung hinter der Kabine.

Serienmäßig verfügen die „T“-Wagen über ein Fahrerassistenzsystem, welches die Firma Bosch gemeinsam mit der VGF für den „R“-Wagen entwicket hat und dem Fahrpersonal hilft, Hinternisse besser zu erkennen und Unfälle zu vermeiden.

Jungfernfahrt über den Börneplatz: Wagen 305 erreicht die Haltestelle „Börneplatz/Stolzestraße“. Bild: © Benjamin Huber

40 Meter als neue Straßenbahn-Standard

Von Anfang an hat die VGF die Nachrüstung der Fahrzeuge mit einem Verlängerungsmodul mitgeplant, was sich als besonders vorausschauend erwies. 34 der 58 neuen Wagen werden als 40-Meter-Version beschafft.

Die hierfür notwendigen Module sind jeweils 8,5 Meter lang, verfügen über ein angetriebenes Drehgestell und je eine zusätzliche Tür pro Seite. Sie erhöhen die Kapazität der T40 von 191 auf 248 Plätze. Auch eine Verlängerung schon bestellter T30 war möglich, weil die VGF die Voraussetzungen für den Einbau von Mittelteilen bei der Ausschreibung der „T“-Wagen geschaffen hatte. Diese Weitsicht zahlt sich jetzt aus, um die Kapazität der Fahrzeuge in der laufenden Bestellung der wachsenden Nachfrage auf Grund des absehbaren Einwohner-, Pendler- und Fahrgastwachstums anzupassen, statt eine Neuausschreibung zu lancieren.

Anpassung der Infrastruktur

Von Ende nächsten Jahres an wird VGF die verlängerten Wagen zunächst auf der stark frequentierten Straßenbahn-Linie 11 einsetzen. Da die Bahnsteige der Haltestellen in Frankfurt auf die Standrad-Fahrzeuglänge von rund 30 Metern ausgelegt ist, sind an einigen Haltestellen deshalb Verlängerungen von Bahnsteigen oder kleinere Umbauten angrenzender Verkehrsinseln nötig. Anfang 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen. Dennoch können die „T40“-Wagen an den meisten Haltestellen problemlos halten. Die Anordnung der Fahrzeugtüren ist hierfür der Grund, denn sie sind rund fünf Meter von den Wagenenden entfernt. Soweit möglich plant die VGF bei künftigen Bauvorhaben, sei es Modernisierung oder Neubau, mit einem neuen Standardmaß von 40 Metern Länge.

Made in Europe

Die VGF beschafft mit dem „T“-Wagen erneut Fahrzeuge beim weltweit zweitgrößten Schienenfahrzeug-Hersteller Alstom. Das Unternhemen steht wie kein anderes für die Renaissance der Straßenbahn und hat rund um den Globus eine Vielzahl von Fahrzeugflotten erfolgreich auf die Schiene gebracht. Städte wie Paris, Reims, Lyon, Strasbourg, Bordeaux, Barcelona, Rabat, Tunis, Istanbul, Sydney oder Jerusalem vertrauen auf Straßenbahnen aus dem Hause Alstom. Das auf die jeweiligen Städte abgestimmte Fahrzeugdesign ist ein Markenzeichen des Unternehmens.

Auf Rückfahrt durch die Innenstadt passiert T30-Wagen 305, der auf den Namen „Europa“ getauft wurde, das Euro-Symbol auf dem Willy-Brandt-Platz. Bild: © Benjamin Huber

Passend zur Europastadt Frankfurt ist die neue Frankfurter Straßenbahn ist eine echte Europäerin: Verantwortlich für Entwicklung, Fertigung und Inbetriebsetzung sind Teams aus Frankreich, Spanien und Deutschland. Dazu wurde der Wagen 305, der am Montag erstmals auf der Linie 17 in den Fahrgastbetrieb geht, auf den Namen „Europa“ getauft.

Demokratie-Bahn

Vorgestellt hat die VGF am Freitag zwei Fahrzeuge der neuen Baureihe. Neben dem Wagen 302, der schon seit März 2022 Probefahrten in Frankfurt absolvierte, stand der Wagen 305. Während Wagen 302 die markante Unternehmensfarbe subaruvistablue trägt, hat Wagen 305 eine Beklebung erhalten, die auf das 175 jährige Jubiläum der Paulskirche im kommenden Jahr hinweist und mit einem großen Fest im Mai gefeiert werden soll.

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