100 Meter U-Bahn am Stück! Neue Mittelwagen verlängern U-Bahnen

Die VGF vergrößert den Fuhrpark ihrer U-Bahn-Flotte. Am vergangenen Freitag stellte das Unternehmen die ersten beiden Exemplare von insgesamt 23 Mittelwagen der Presse vor. Mit den neuen Wagen vom Hersteller Bombardier Transportation, der seit Anfang 2021 Teil der Alstom Group ist, erhöht die VGF die Kapazität auf den U-Bahn-Linien U4 und U7.

Die neuen Fahrzeuge entsprechen den 224 Wagen des Fahrzeugtyps „U5“, die die VGF zwischen 2008 und 2017 in zwei unterschiedlichen Varianten – 94 25-Meter-Wagen mit zwei Fahrerkabinen und 130 25-Meter-Wagen mit nur einer Fahrerkabine und einem Übergangsmodul, die 65 50-Meter-Einheiten bilden – in Dienst gestellt hat. Wie bei den älteren Geschwistern handelt es bei den Mittelwagen um Sechsachser. Jeder Mittelwagen ist also rund 25 Meter lang, klimatisiert, bietet 46 Sitz- und 148 Stehplätze sowie vier breite Türen pro Seite für einen schnellen Fahrgastwechsel. Zudem verfügen sie über drei Drehgestelle, wovon zwei angetrieben sind, einem Gelenk in der Mitte und einem eigenen Stromabnehmer.

Mit neuen Mittelwagen kann die VGF ihre U5-50-Einheiten auf 75 bzw. 100 Meter Länge verlängern. Statt Fahrerkabinen haben die Mittelwagen Übergangsmodule an den Wagenenden. Sie machen den Zug auf ganzer Länge begehbar. Foto: © Benjamin Huber

Statt Fahrerkabinen sind die Mittelwagen an den beiden Wagenenden mit Übergangsmodulen ausgestattet und können von dort über ausklappbare Hilfsfahrerstände auf dem Betriebshof- und Werkstattgelände auch einzeln bewegt werden. Für den Linienbetrieb werden sie jedoch in bestehende 50-Meter-Zugverbände integriert und verlängern diese auf 75 bzw. 100 Meter. Durch die Kurzkupplungen sind diese U-Bahnen durchgängig und auf ganzer Länge begehbar.

Blick in den Innenraum: Die Innenräume entsprechen exat den zwischen 2008 und 2017 gelieferten U5-Wagen. Am Übergangsmodul erkennt man den Hilfsfahrerstand, mit dem die Wagen auf dem Betriebshof- und Werkstattgelände bewegt werden können. Foto: © Benjamin Huber
Ein Detail was den Fahrgästen sonst im Technikschrank verborgen bleibt. Blick auf dem Hilfsfahrerstand am Übergangsmodul. Foto: © Benjamin Huber

Ausbau der U-Bahn-Flotte

Mit dem Ausbau der Fahrzeugflotte investiert die VGF in die Zukunft, um möglichst vielen Fahrgästen eine moderne und nachhaltige Mobilität anzubieten. Im Rahmen einer Mobiltätswende erwartet man, dass viele Autofahrer auf U- und Straßenbahnen umsteigen werden.

Blick auf getrennten Faltenbalg der Übergangsmodule der neuen U5-Mittelwagen 1951 und 1952. Foto: © Benjamin Huber

Mit den „U5“-Mittelwagen kann auf einfachem, wirtschaftlichem Weg die Beförderungskapazität erhöht werden, weil auf eine schon im Einsatz befindliche Fahrzeuggeneration zurückgegriffen wird und keine Anpassungen an Stationen oder Werkstätten vorgenommen werden muss. Zusätzlich kommt die VGF einem Wunsch von Fahrgästen nach, die längere, durchgängig begehbare Fahrzeuge mögen, wie Rückmeldungen zum schon im Einsatz befindlichen 50-Meter-Verband zeigen.

Durchgehend begehbare Zugverbände ab Dezember auf den Linien U4 und U7

In den kommenden Wochen unterzieht die VGF die beiden ersten Fahrzeuge mit den Nummern 1951 und 1952 einem sogenannten Typ-Test, da sie mit einer neuen Software ausgeliefert wurden. Nach erfolgreicher Prüfung sollen die weiteren Fahrzeuge in einem 14-Tage-Rhythmus bis Ende 2022 geliefert werden. Die ersten Züge mit Mittelwagen sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember in den Fahrgasteinsatz gelangen.

Vier-Wagen-Züge fahren seit Jahren planmäßig auf der Linie U4. Bisher wurden die Kompositionen aus zwei 50-Meter-Verbänden, vier 25-Meter-Wagen oder einer 50-Meter-Einheit und zwei 25-Meter-Wagen gebildet. Ab Dezember werden die Mittelwagen in die 50-Meter-Einheiten integriert. Foto: © Benjamin Huber

Aktuell ist geplant, dass acht 100-Meter- und sieben 75-Meter-Einheiten vom Betriebshof Ost auf den U-Bahn-Linien U4 und U7 zum Einsatz kommen. Nach Möglichkeit wird die VGF, wie schon bei den 50-Meter-Zügen, diese 15 Zugverbände in unveränderter Zusammenstellung im Einsatz halten und lediglich in der Werkstatt oder im Havariefall auseinander kuppeln.

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