Vorschau auf das Fahrplanjahr 2020

Die Zustimmung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung steht noch aus, aber der Verkehrsdezernent Klaus Oesterling gibt schon mal einen Ausblick auf den kommenden Fahrplanwechsel, der am 15. Dezember 2019 in Kraft tritt. Die notwendigen Beschlüsse hat der Auftsichtsrat der städtischen Nahverkehrsgesellschaft traffiQ, dessen Vorsitzender Oesterling ist, in seiner letzten Sitzung gefasst.

Der Verkehrsdezernent kündigt ein Vielzahl von Verbesserungen bei Bussen und Bahnen an, die Ende des Jahres eingeführt werden sollen. Unter anderem sollen die Straßenbahn-Linie 14 im Gallus weitergeführt werden, der schon lange diskustierte Quatierbus, der den Stadtteil Niederrad erschließt, eingeführt und der Nahverkehr in Gateway Gardens mit Inbetriebnahme des neuen S-Bahnhofs neu geordnet werden. Des Weiteren werden Taktlücken zwischen dem Nacht- und Tagesverkehr geschlossen, die bei der Einführung des neuen Nachtverkehrs zum Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember entstanden sind.

Und auch die Verschlechterungen am Wochenende im Straßenbahnverkehr, die vor fünf Jahren unter dem grünen Verkehrsdezernenten Stefan Majer eingeführt wurden, sollen zumindest an Samstagen auf drei Straßenbahn-Linien wieder zurück genommen werden.

„Als wachsende Stadt mit derzeit rund 750.000 Einwohnern und über 375.000 täglichen Einpendlern steht Frankfurt am Main bei der nachhaltigen Gestaltung von Mobilität vor besonders großen Herausforderungen. Der öffentliche Nahverkehr, den wir konsequent Schritt für Schritt ausbauen, ist dabei ein wesentlicher Schlüssel zur Lösung.“

Klaus Oesterling, Verkehrsdezernent

Dabei liegt der Fokus in der zukunftsorientierten Entwicklung des Frankfurter Nahverkehrs gleichermaßen auf ökologischen wie ökonomischen Aspekten.

„Schon heute leisten Frankfurts Busse und Bahnen mit einem dichten Netz und modernen, sauberen Fahrzeugen einen großen Beitrag zur umwelt- und kundenfreundlichen Mobilität in Deutschlands Pendlerhauptstadt. Neben der konsequenten Umstellung auch des Busverkehr auf emissionsfreie Antriebe werden wir für die wachsende Stadt höhere Mobilitätskapazitäten bereitstellen.“

Klaus Oesterling, Verkehrsdezernent

„Wir wollen nicht nur ein Mitwachsen des Nahverkehrs am zunehmenden Verkehrsaufkommen, wir wollen einen höheren Anteil von Bussen und Bahnen am Modal Split. Das kann mithilfe eines attraktiven, schnellen und zuverlässigen öffentlichen Nahverkehrs erreicht werden.“

Dr.-Ing. Tom Reinhold, Geschäftsführer von traffiQ

Die geplanten Änderungen im Einzelnen

Mehr Fahrten im Gallus und nach Nied

Die Straßenbahn-Linie 14 fährt seit dem vergangenen Fahrplanwechsel von Bornheim ins Gallus und nutzt dabei die seit 2013 nicht mehr befahrene Strecke in der Kleyerstraße bis zur neuen Haltestelle „Gustavsburgplatz“ in der Rebstöcker Straße. Von diesem vorübergehenden, provisorischen Endpunkt soll sie ab Dezember 2019 bis zur Haltestelle „Mönchhofstraße“ weitergeführt werden.

Von der Haltestelle „Gustavsburgplatz“ soll die Straßenbahn-Linie 14 ab dem 15. Dezember 2019 bis zur Haltestelle „Mönchhofstraße“ fahren. Die Straßenbahn-Linie 21 soll dann bis auf Ausnahmefälle immer bis zur Haltestelle „Nied Kirche“ fahren. Grafik: © traffiQ Frankfurt am Main

Auch die Straßenbahn-Linie 21 wird verlängert. Sie verkehrt schon heute vielfach – in den Hauptverkehrszeiten, im Früh- und Spätverkehr sowie Samstags tagsüber – über die Haltestelle „Mönchhofstraße“ hinaus bis zur Haltestelle „Nied Kirche“. Ab Dezember soll sie nur noch in Ausnahmefällen an der Haltestelle „Mönchhofstraße“ enden. Damit verbessert man die am stärksten nachgefragte Straßenbahnverbindung auf der Mainzer Landstraße.

Quatierbus für Niederrad

Die Niederräder drängen seit mehreren Jahren auf einen Quatierbus, mit dem die eher abseits der Straßenbahntrassen gelegenen Wohnquatiere besser an öffentlichen Nahverkehr angeschlossen werden sollen.

traffiQ hat das Linienkonzept noch einmal überarbeitet, so dass die im Mainfeld als auch im Wohnviertel südlich der Triftstraße lebenden Menschen nicht nur gute Verbindungen innerhalb Niederrads erhalten, sondern mit der neuen Bus-Linie 84 wichtige Kontenpunkte erreichen, die sie in Frankfurt weiterbringen: An der Haltestelle „Niederräder Landstraße“ besteht Anschluss zu den Straßenbahn-Linien 12, 15 und 21, an der Haltestelle „Haardtwaldplatz“ zur Straßenbahn-Linie 15 und zur Bus-Linie 51, am S-Bahnhof Niederrad zu den S-Bahn-Linien S7, S8 und S9 sowie an der Haltestelle „Oberforsthaus“ zur Straßenbahn-Linie 21 und zur Bus-Linie 61.

Die Wohngebiete im Mainfeld und südlich der Triftstraße sollen mit dem Quartierbus einen besser erschlossen werden. An den Knotenpunkten attraktive Umsteigemöglichkeiten zu den S-Bahnen, Straßenbahnen und anderen Bus-Linien. Grafik: © traffiQ Frankfurt am Main

Auf der neuen Bus-Linie 84 sollen Midibusse zum Einsatz kommen und täglich bis 21:00 Uhr verkehren. Montags bis freitags soll der Betrieb ab 6:00 Uhr starten, samstags ab 9:00 Uhr und sonntags ab 12:00 Uhr.

Neuordnung der Bus-Linien in Gateway Gardens

Das aufstrebende Quartier am Flughafen erhält zum Fahrplanwechsel seinen eigenen S-Bahnhof „Gateway Gardens“. Der neue Halt wird von den S-Bahn-Linien S8 und S9 angefahren, die schnelle Verbindungen zum Terminal 1 des Flughafens und in die Frankfurter Innenstadt im 15-Minuten-Takt herstellen.

Die Bus-Linien, die durch das Quartier führen, will traffiQ der neuen Verkehrssituation anpassen: Die Bus-Linie 77, die derzeit das Quartier mit Terminal 1 verbindet, erhält eine neue Funktion. Sie führt künftig vom neuen S-Bahnhof über das zukünftige Terminal 3 zur Cargo City Süd und verbindet so zwei Flughafenbereiche mit einem stark wachsenden Nachfragepotential. Sie ist künftig von 4:00 Uhr bis 1:00 Uhr halbstündlich im Einsatz.

Die Bus-Linie 77 soll eine neue Funktion erhalten. Sie verbindet künftig den S-Bahnhof „Gateway Gardens“ mit dem zukünftigen Terminal 3 und der Cargo City Süd am Flughafen. Grafik: © traffiQ Frankfurt am Main

Zur besseren Anbindung von Gateway Gardens erhält auch die Bus-Linie 61 eine leicht veränderte Linienführung. Statt wie bisher über den Kreisel Unterschweinstiege wird sie über den S-Bahnhof „Gateway Gardens“ und die Haltestelle „Thea-Rasche-Straße“ durch das Quartier geführt.

Mehr Angebot für mehr Fahrgäste

Auf vielen Linien und zu unterschiedlichen Zeiten verlangt die zunehmende Zahl an Fahrgäste nach einer Ausweitung der Kapazitäten von Bussen und Bahnen.

U-Bahn-Linien

Auf den U-Bahn-Linien U2 und U4 sollen künftig längere Züge fahren. Drei- statt Zwei-Wagen-Züge sollen sonntags zwischen 11:00 Uhr und 21:00 Uhr auf der U2 eingesetzt werden. Auf der U4 sollen künftig bis 1:00 Uhr statt bis 21:00 Uhr Drei-Wagen-Züge eingesetzt werden.

Straßenbahn-Linien

Die Ende 2014 eingeführte Taktstreckung am Wochenende, bei der die meisten Straßenbahn-Linien auf einen 15-Minuten-Takt umgestellt wurden, soll zumindest samstags auf den Linien 12, 17 und 18 wieder zurück genommen werden. Die drei Linien sollen künftig samstags zwischen 9:00 Uhr und 21:00 Uhr wieder alle 10 Minuten fahren.

Bus-Linien

  • Zur Anbindung des Flohmarkts am Frischezentrum soll die Linie 24 auch samstags zwischen 13:00 Uhr und 18:00 Uhr im 30-Minuten-Takt verkehren.
  • Die Verstärkungsfahrten auf Kleinbus-Linie 25 zwischen den Haltenstellen „Tempelhof“ und „Berkersheim Bahnhof“ sollen künftig eine halbe Stunde früher, ab 6:30 Uhr, einsetzen.
  • Montags bis freitags zwischen 9:30 Uhr und 13:00 Uhr soll die Linie 32 im 10- statt im 15-Minuten-Takt verkehren.
  • Die Linie 34 wird montags bis freitags in der Zeit von 6:00 Uhr bis 21:00 Uhr vollständig auf Gelenkbusse umgestellt. Hierfür müssen weitere 13 Gelenkbusse beschafft werden. Deshalb kann der Takt geringfügig gedehnt werden. Zur Verbesserung der Anschlüsse an die S-Bahn in Rödelheim sowie an die Straßenbahn-Linien 12, 16 und 18 soll der im Dezember 2017 eingeführte 10-Minuten-Takt am Sonntagnachmittag wieder auf einen 15-Minuten-Takt gestreckt werden. Stattdessen sollen aber Gelenkbusse eingesetzt werden.
  • Am Samstagabend soll die Linie 36 von 20:30 Uhr bis Mitternacht zwischen den Haltestellen „Eschenheimer Tor“ und „Hainer Weg“ im 10- statt 15-Minuten-Takt fahren.
  • Das Angebot der Linie 43 muss in verschiedenen Zeitbereichen ausgebaut werden. An Schultagen wird der 5-Minuten-Takt in der morgendlichen Hauptverkehrszeit bis 10:00 Uhr verlängert und nachmittags neu eingeführt werden. Bisher galt hier ein 7,5-Minuten-Takt. Montags bis freitags von 20 bis 21 Uhr und samstags durchgehend bis 21:00 Uhr soll ein 10-Minuten-Takt angeboten werden.
  • Um zusätzliche Fahrten an Schultagen in morgendlichen Hauptverkehrzeit soll die Linie 45 im südlichen Abschnitt zwischen Südbahnhof und Großer Hasenpfad verstärkt werden.
  • In Verkehrsspitze am Morgen soll das Angebot der Linie 46 zwischen Hauptbahnhof, Europaviertel und Römerhof auf einen 5- bis 10-Minuten-Takt ausgebaut werden. Gemeinsam mit der Linie 64 entsteht so ein 5-Minuten-Takt. Die zum vergangenen Fahrplanwechsel verbliebenen Schulfahrten zwischen den Haltestellen „Hauptbahnhof“ und „Wasserweg“ werden so wenig nachgefragt, dass sie ganz eingestellt werden.
  • Die meiste Zeit des Tages soll jede zweite Fahrt der Linie 52 ab der Haltestelle „Eppenhainer Straße“ zur Haltestelle „Europaviertel West“ und zurück geführt werden. Statt um 14:00 Uhr soll der 15-Minuten-Takt zwischen den Haltestellen „Friedrich-Ebert-Siedling“ und „Jägerallee“ an Schultagen bereits um 12:30 Uhr beginnen. In der Kleyerstraße zwischen den Haltestellen „Galluswarte“ und „Friedrich-Ebert-Siedlung“ kann das Angebot durch ganztägige Befahrung von der Straßenbahn-Linie 14 auf einen 15-Minuten-Takt gestreckt werden.
  • Der 15-Minuten-Takt auf der Linie 55 zwischen den Haltestellen „Höchst Bahnhof“ und „Rödelheim Bahnhof“ soll am Samstagabend bis 22:00 Uhr verlängert werden.
  • Die Linie 56 soll zum Rödelheimer Bahnhof verlängert werden und gleichzeitig die Leistungen der im Dezember 2017 eingeführten Linie 67 bis zur Haltestelle „Eschborner Landstraße West“ übernehmen. Voraussetzung hierfür ist die Einrichtung einer Busspur in der Westerbachstraße sowie die Verbesserung der Ampelsteuerung für Linksabbieger von der Wilhelm-Fay-Straße in die Westerbachstraße.
  • An Schultagen zwischen 7:00 Uhr und 9:00 Uhr sind auf der Kleinbus-Linie 57 zwischen den Haltestellen „Siedlung Taunusblick“ und „Lenzenbergstraße“ zusätzliche Fahrten notwendig.
  • Zusätzliche Busse sollen am Wochenende auf der Linie 58 zwischen den Haltestellen „Höchst Bahnhof“ und „Flughafen Terminal 1“ zum Einsatz kommen.
  • Der bisherige 30-Minuten-Takt auf der Linie 59 zwischen den Haltestellen „Bolongaropalast“ und „Bingelsweg“ soll samstags zwischen 12:00 Uhr und 19:00 Uhr auf einen 15-Minuten-Takt verdichtet werden.
  • Die Betriebszeit der Linie 66 soll täglich um eine Stunde bis 22:30 Uhr verlängert werden.
  • Zwischen den Haltestellen „Südbahnhof“ und „Lyoner Straße“ soll die Linie 78 in der morgendlichen Hauptverkehrzeit an Schultagen auf einen 10-Minuten-Takt verdichtet werden.
  • Die Linie 79 soll vormittags bis 10:00 Uhr statt bis 9:30 Uhr verkehren.

60-Minuten-Takt abschaffen, Nachtlücke schließen

Auf fünf Bus-Linien gibt es noch Zeiten, in denen nur ein Stundentakt angeboten wird. Dies gilt insbesondere für Samstag- und Sonntagmorgen und im geringerem Maße auch für den Abendverkehr. Das Angebot auf den Linien 27, 28, 50, 55 und 59 soll im Interesse einer Attraktivitätssteigerung auf einen 30-Minuten-Takt verdichtet werden.

Der im vergangenen Jahr eingeführte Nahverkehr in Frankfurt und der Rhein-Main-Region gehört zu den attraktivsten in Deutschland. Nun soll die insbesondere am Wochenende noch bestehende Betriebspause zwischen dem Ende des Nachtverkehrs und dem Beginn des Tagesverkehrs – also etwa von 3:00 Uhr bis 6:00 Uhr – geschlossen werden. Entsprechend werden in den Nächten zu Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen zusätzliche Fahrten im Halbstundentakt auf diesen Streckenabschnitten angeboten:

  • Linie 28: zwischen Kalbach Hopfenbrunnen und Harheim Tempelhof
  • Linie 29: zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach Hohe Brück
  • Linie 39: zwischen Preungesheim und Berkersheim Mitte
  • Linie 60: zwischen Nordwestzentrum und Heddernheim
  • Linie 63: zwischen Eschersheim Weißer Stein und Preungesheim
  • Linie 72: zwischen Industriehof und Nordwestzentrum

Mehr Platz für Schüler

Ein besonders hohen Stellwert genießt der Schülerverkehr bei traffiQ. Neben den zahlreichen Verbesserungen im Gesamtnetz sind auch gezielt zusätzliche Leistungen für die Frankfurter Schulen notwendig:

  • Die Linie 29 wird durch eine zusätzliche Fahrt zwischen den Haltestellen „Paul-Apel-Straße“ und „Uni Campus Riedberg“ in der morgendlichen Hauptverkehrszeit an Schultagen verstärkt.
  • Für den Schülerverkehr sollen zwischen Fechenheim und der Schule am Ried in Enkheim (Linien 42/44) sollen zwei Gelenkbusse statt Solobusse zum Einsatz kommen.
  • Ein zusätzliches Fahrtenpaar soll es auf der Linie 56 im Schülerverkehr am Morgen geben.

Mehrkosten von rund 3,6 Millionen Euro

Die angekündigten Mehrleistungen verursachen zusätzliche Kosten von etwa 3,6 Millionen Euro. Sie stehen deshalb auch noch unter Vorbehalt der jeweiligen Gremienbeschlüsse. Denn soweit sie nicht durch die Fahrgeldeinnahmen gedeckt werden können, werden sie von der Stadt Frankfurt am Main – über den Haushalt von traffiQ für den Busverkehr – und der Stadtwerke Frankfurt am Main Holding – über den Haushalt der VGF für den Schienenverkehr – getragen.

Für den Verkehrsdezernenten sind Maßnahmen ein weiterer Schritt den Frankfurter Nahverkehr als nachhaltige Mobilitätsalternative in der Stadt konsequent weiterzuentwickeln.

„Wir bleiben nicht stehen: Neue Schienenfahrzeuge sind bestellt. Der weitere Netzausbau ist in die Wege geleitet: Bei der U-Bahn befindet sich die Verlängerungsstrecke der Linie U5 ins Europaviertel im Bau. Die Planungen für die Verlängerung der gleichen Linie im Norden, von Preungesheim zum Frankfurter Berg sowie der Linie U2 in Bad Homburg laufen. Noch in diesem Jahr soll die Entscheidung über die Variante für den Lückenschluss zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim fallen – ein dringend notwendiges Projekt zur Entlastung der stärksten Frankfurter U-Bahn- Strecke, auf der vier Linien im 2,5-Minuten-Takt verkehren.“

Klaus Oesterling, Verkehrsdezernent

Der Verkehrsdezernent verweist zudem auf die wichtigen Schienenprojekte über die Frankfurter Grenzen hinaus, wie den viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn für die S6 zwischen dem Frankfurter Westbahnhof und Bad Vilbel, der Regionaltangente West und der nordmainischen S-Bahn.

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