Linie 30: Direktverbindung zwischen Bad Vilbel und der Frankfurter Innenstadt soll gekappt werden

Mit einem Nebensatz in der Pressemitteilung zur Einführung der Elektro-Busse auf der Linie 75 hat der Frankfurter Verkehrsdezernent bei den Nachbarn in Bad Vilbel für Entsetzen gesorgt. Die Bus-Linie 30 soll schon im kommenden Jahr nicht mehr in die Frankfurter Innenstadt fahren.

„Schon heute leisten Frankfurts Busse und Bahnen mit einem dichten Netz und modernen Fahrzeugen einen großen Beitrag zur umweltfreundlichen Mobilität in Deutschlands Pendlerhauptstadt. Der Großteil der Nahverkehrsleistung wird in Frankfurt schon seit Jahrzehnten mit S-Bahnen, U-Bahnen und Straßenbahnen elektrisch erbracht – im Jahr 2017 waren das rund 80 Prozent der Fahrten unserer Fahrgäste. Und wir werden das weiter ausbauen. Deshalb verlängern wir die Straßenbahnlinie 14 ab Dezember durch die Kleyerstraße bis zum Gustavsburgplatz und werden voraussichtlich ab Dezember 2019 die Fahrten der Buslinie 30 zwischen Lokalbahnhof und Friedberger Warte durch Verstärkung der Straßenbahnlinie 18 ersetzen.

Klaus Oesterling, Frankfurter Verkehrsdezernent
Quelle: Gemeinsame Presseinformation der Stadt Frankfurt am Main und traffiQ vom 27. November 2018

Der fettmarkierte Satz in dem obigen Zitat hat für eine große Überraschung in der Politik sowie bei Pendlern gesorgt. Denn die Direktverbindung des 30er Busses von Bad Vilbel in die Innenstadt zur Konstablerwache ist beliebt und bequem, weil umsteigefrei. Doch das soll sich im Dezember 2019 ändern. In der Frankfurter Neuen Presse (FNP) kündigte Verkehrsdezernent Oesterling an, dass man die Fahrten die Bus-Linie 30 zwischen Friedberger Warte und Lokalbahnhof durch Verstärkung der Straßenbahn-Linie 18 ersetzen will.

Über die Friedberger Landstraße verbindet die Bus-Linie 30 Bad Vilbel mit der Frankfurter Innenstadt. Ab Dezember 2019 soll der 30er an der Friedberger Warte enden und die Fahrgste auch in der Hauptverkehrszeit auf die Straßenbahn-Linie 18 umsteigen. Den Vilbelern gefällt der Vorstoss vom Frankfurter Verkehrsdezernenten nicht. Bild: © Thomas Lusmöller

Die Ankündigung stösst allerdings nicht auf viel Gegenliebe. Die Brechung der Direktverbindung schwäche die Attraktivtät, kritisiert Andreas Christopher vom Fahrgastverband Pro Bahn und Bus Hessen in der FNP. Er schlägt stattdessen vor die Straßenbahn nach Bad Vilbel zu verlängern und bis zur Verwirklichung auf O-Busse zu setzen.

Vilbeler Politiker sind empört

Sebastian Wysocki, Bad Vilbels Erster Stadtrat, warnt vor mehr Individualverkehr durch die Kürzung. Die Fraktionschefs von CDU und FDP in Bad Vilbel erklären, dass es ein Trugschluss sei, dass die Fahrgäste auf die S6 umsteigen werden. Auch sie gehen davon aus, dass stattdessen auf’s Auto umgestiegen wird. Der CDU-Fraktionschefin missfällt außerdem, dass die Frankfurter ihr Vorhaben nicht abgesprochen hätten.

„Es gehört sich nicht, eine für Bad Vilbel so gravierende Fahrplanänderung in einem Nebensatz einer Pressemeldung mitzuteilen.“

Irene Utter, CDU-Fraktionschefin, Bad Vilbel
Quelle: Frankfurter Neue Presse

Auch die Fraktionschefin der Grünen in Bad Vilbel stimmt in die Kritik ein. Auch sie befürchtet, dass Fahrgäste auf’s Auto umsteigen.

„Damit ist der Luftbelastung und dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen. Auf Dieselfahrverbote mit einem schlechteren Nahverkehrsangebot zu reagieren ist kurzsichtig und unverantwortlich.“

Kathrin Anders, Fraktionchef der Grünen, Bad Vilbel
Quelle: Frankfurter Neue Presse

Null-Emissionsfahrzeuge innerhalb des Alleenrings

Mit der Kappung der Linie 30 könnten 80 Dieselbusfahrten pro Tag vermieden. Die Umstellung sei ein Aspekt, um das Diesel-Fahrverbot zu verhindern, das ab Februar gelten soll und von der Deutsche Umwelthilfe gefordert wird. Kurz vor Weihnachten soll das vor Gericht entschieden werden. Die Kommune will mit ihren Bemühungen die Richter überzeugen, dass zunächst noch das Berufungsverfahren abgewartet werden kann.

„Wir wollen den Nahverkehr innerhalb des Alleenrings so umgestalten, dass dort nur noch Null-Emissionsfahrzeuge eingesetzt werden.“

Klaus Oesterling, Frankfurter Verkehrsdezernent
Quelle: Frankfurter Neue Presse

Zunächst weitere Pt-Wagen reaktivieren

Die Straßenbahn-Linie 18 soll nach Willen Oesterlings in der Hauptverkehrszeit künftig alle fünf statt alle 7,5 Minuten fahren und am Lokalbahnhof enden, wo der Südast der Linie 30 vom Hainer Weg kommend enden soll.

Doch woher will der Verkehrsdezenent die zusätzlichen Straßenbahnen nehmen? Schon die aktuelle Änderung der Linie 14 zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 hat einen Mehrdarf an Fahrzeugen erzeugt, die die VGF eigentlich gar nicht hat. Deshalb fahren auf der Linien 17 und 18 seit letzter Woche in der Hauptverkehrszeit wieder Straßenbahnen der Baureihe „Pt“ aus den 1970er Jahren.

Neue Straßenbahnen hat die VGF bereits bestellt. Die ersten der 43 Bahnen vom Typ Citadis von Hersteller Alstom kommen aber frühstens Ende 2020 und sollen eigentlich die jetzt reaktivierten Pt-Wagen und die Niederflurwagen vom Typ „R“ ersetzen. Zehn Fahrzeuge aus der Option sind noch offen, so dass Oesterling überlegt fünf weitere zu bestellen. Zunächst müssten aber noch weitere Pt-Wagen reaktiviert werden. Während es die Fans begeistern wird, wird Otto-Normal-Nutzern nebem Umsteigezwang auch noch eine alte Straßenbahn aufgezwungen.

„Ein fatales Zeichen in den Bemühungen, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. Auf dem Rücken der Pendler sollen die Probleme des Diesel-Skandals gelöst werden.“

Sebastian Wysocki, Bad Vilbels Verkehrsstadtrat
Quelle: Frankfurter Neue Presse
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